Starke Gäste kämpften sich ins Match zurück

 

Die Partie am Spitzenbrett war schnell entschieden: die Tostedter Spitzenspielerin Rogge-Wokittel spielte zwar noch 1.e4, gab aber postwendend auf, als Hellern Brett 1 die Hand in Richtung c-Bauer bewegte.
Caro-Kann? Wir werden es nicht herausfinden.
Aber die nur mit sieben Spielern angetretenen Gäste sollten sich auch ohne dieses Intermezzo schnell und erfolgreich orientieren, obwohl Andre Böhme und Franz Ernst mit sicheren Punkteteilungen den Vorsprung auf 3-1 schraubten.

 
Drückte früh auf den schwarzen e-Bauern: Andre Böhme (l.) – Mathias Feist

Eine Partie auf recht hohem Niveau spielten Ulf Wokittel und Hans-Jürgen Bade, der sich früh mit einer starken Initiative des Tostedters auseinandersetzen musste. Als Hajo einen auf den ersten Blick völlig logischen Zug ausführte, entpuppte sich dieser auf den zweiten Blick als Ungenauigkeit – die einzige in seiner Partieanlage. Aber dies reichte dem Tostedter, um mit einem überraschenden Bauernopfer einen scharfen Angriff einzuleiten, der auch verdient zum Erfolg führte.
Indes versuchte Martin Hart am 4. Brett mit einem chancenreichen Qualitätsopfer eine vorzeitige Entscheidung herbeizuführen. Wilfried Härigs Defense erwies sich aber so stabil, dass der Tostedter kurz vor der Zeitkontrolle die ersten eigenen Drohungen aufstellen konnte und mit einem konsequent vorbereiteten Konter für die Entscheidung in dieser Partie sorgte.
Nun stand es 3-3 und die Wende in diesem Match konnte man nicht einmal als unverdient bezeichnen.
Wie immer in den Spielen unserer 1. Mannschaft sorgte ein irrer Schachkrimi für die Entscheidung.

 
Beiden Klappen hängen, beide stehen auf Matt, acht Züge in sechzig Sekunden: Stefan Röhrich greift zu. Rechts Dr. Dörsam (Tostedt)

Stefan Röhrich, der als Nachziehender während der gesamten Partie eine deutliche Initiative besaß, musste sich in einer haarsträubenden Schlussphase plötzlich mit hartnäckigem Gegenspiel auseinandersetzen, das ihn völlig in die extreme Zeitnot seines Gegners hineinzog. Während der Prinz von Dänemark bei Shakespeare noch Zeit genug hat, um über „Sein oder Nichtsein“ zu sinnieren, fehlte den oben abgebildeten Protagonisten mangels Zeit die Gemütsruhe für tiefsinnige Überlegungen. „Matt oder selbst Matt“ hieß die Devise und nachdem Stefan fast seine gesamte Zeit für den finalen Gegenschlag verbraucht hatte, entlud sich ein Trommelfeuer von Angriffszügen auf den weißen König, das jeder Bullet-Partie Ehre gemacht hätte. Selbst in der Schlussstellung wussten einige Kiebitze noch immer nicht so richtig, wer denn nun gewonnen hat. Dem resignierten Achselzucken des Tostedters war jedoch zu entnehmen, dass Stefan die Partie gewonnen hatte. 4-3!


f5 oder g6? Wo soll denn bloß der Springer hin? Auch die Post-Analyse der Partie Dr. Dörsam – Röhrich ließ Fragen offen.

Den Schlusspunkt setzte dann Jan Wöllermann, der seinem Gegner ein Remisangebot machte, dass dieser nicht ablehnen konnte. Auch diese Partie verdiente Beachtung, da der Tostedter Peter Angermaier eine verbissene Verteidigung aufs Brett zauberte, die ihn in ein Endspiel mit ungleichen Läufern rettete.

 
Setzte den Schlusspunkt: Jan Wöllermann holte den fehlenden halben Punkt. Rechts: Peter Angermaier.

Ein spannender Sonntag. Hellern bleibt Tabellenführer, spürte aber, dass die Rolle des Jägers manchmal leichter ist als die des Gejagten.

Dr. Ortwin Thal